Zeitalter der Minzsuppenfreunde 

Computerlogbuch der Plänterprise, Captain Thomas Tiberius Tormund Tatonka Picaldi, Klorolle 7.
Der Beginn meiner Auslandsexpedition zwang mich zur Entwicklung einer neuen Zeitrechnung. Gegensätzlich zum bekannten System mit Tag, Monat und Jahr, handelt es sich hierbei um eine nicht lineare Rechnung. Ich zähle die Klorollen, seit meiner Ankunft in Brighton. Selbstverständlich schwankt der Verbrauch. Damit passe ich meine Rechnung der Relativitätstheorie an, nach welcher Zeit keineswegs linear verläuft, sondern durch steigende Gravitation verlangsamt wird. Im Gegensatz zur Realitätstheorie beschleunigt sich Zeit jedoch bei Anstieg der Gravitation. Einfach ausgedrückt: Je größer die Wurst, desto später ist es.

Also….sieben Toilettenpapierrollen…eine lange Zeit.
Noch immer fehlt jede Aussicht auf einen britischen Freundeskreis. Die Kollegen bevorzugen, Arbeit und Freizeit strikt voneinander zu trennen. Vielleicht treffen sie sich regelmäßig in meiner Abwesenheit um konspirativ gegen die Unterwanderung ihrer Gesellschaft durch deutsche Aggressoren vorzugehen. Vielleicht genießen sie aber auch einfach ihr Familienleben. Oder gehen schlafen. So wie ich.

Ich bin permanent müde. Erst war ich besorgt, dann fiel mir auf, dass ich schlichtweg zu viel Energie verbrauche. Morgens raus, noch vor der Arbeit mit Hund rumlaufen, dann zur Arbeit, dort Kopf qualmen lassen, in der Mittagspause zurück zum Hund, Gassirunde, zurück ins Büro, arbeiten, zurück nach Hause, Gassirunde und Abendbrot. Es bleiben unter der Woche höchstens vier Stunden täglich für mich selbst. Vier Stunden für Haushalt, Erledigungen und vielleicht mal etwas Entspannung.

Versteht mich nicht falsch! Ich beklage mich nicht. Es macht ja alles Spaß. Ich erkläre mir selbst lediglich den Grund der ständigen Müdigkeit. Schade ist daran lediglich, dass mir am Wochenende oft der Elan fehlt, auf sozialen Eroberungsfeldzug zu gehen. Ich versuche es aber. Versprochen!

Schon verrückt, wie schwer es dem erwachsenen Menschen fällt, Freunde zu gewinnen. Als Kind genügte eine einzige Gemeinsamkeit. “Du hast Duck Tales als Game Boy Spiel?” – BLÄM! Best Friends Forever!
Heute wird als Ausgangsposition jeder erstmal Scheiße gefunden und muss sich dann die Scheiße in einem Prozess brutal kritischer Bewertung abarbeiten. Fragt mich nicht, nach welchen Kriterien. Zu freundlich, Scheiße! Nicht freundlich, auch Scheiße! Zu interessiert, aufdringliche Scheiße! Kein Interesse, arrogante Scheiße!
Woran liegt das? Ich wurde anders erzogen. Kann man das irgendwie umkehren?
Ich beneide diese seltenen Menschen, welche mit aufrichtig offenen Armen durch die Welt gehen. Kontaktfreudig, positiv, Scheiße!

Die Briten wirken im ersten Moment alle so. Schnacken will hier jeder. Aber bloß nicht mehr!
Ist diese Stufe erklommen, stößt Du auf die vertrauten, soeben beschriebenen Ablehnungsmechanismen.
So, wie überall. Die universelle Scheiße der Erwachsenheit! Ich glaube, einzig Neugier kann unseren Schutzschild überwinden. Falls ich mir das alles nicht nur einbilde und mein persönliches Bollwerk der Ablehnung auf die Allgemeinheit projiziere.


PROJIZIEREN…was für ein Wort! Kann mich nicht erinnern, das jemals geschrieben zu haben. Je länger man es betrachtet, desto komischer sieht es aus. PRO-JI-ZIE-REN.

Letzte Woche war Suppenwoche bei mir. Habe mich durch so viele Suppen gekostet. Alle aus dem Supermarkt. Frischetheke. Die erste aus Faulheit gekauft: Kürbis-Ingver-Suppe. War so gut, dass ich beschloss, den kompletten Katalog zu verputzen. Mexikanische Bohnensuppe, Pilzsuppe, Süßkartoffelsuppe, Linsensuppe, Thai-Gemüsesuppe. Alle frisch, gut gewürzt und allgemein vorzüglich. Bis ich gestern bei der englischsten Suppe landete.
Musste sofort an Asterix bei den Briten denken, und etwas kichern. Erbsen-Minz-Suppe!
Minze…passt nicht überall rein. Das Zeug war nicht ungenießbar. Nur zu…naja…merkwürdig eben.
Mir fehlen so sehr die Worte, wie mir gestern die Geschmacksnerven an den richtigen Stellen zu fehlen schienen.
Die Hälfte ist noch da. Die Suppe hat also noch eine Chance, mein Herz zu gewinnen.

Erstmal geht’s aber zum Beachy Head Lighthouse. Da wollte ich letzte Woche schon hin, doch dann berichteten die Medien von einer rätselhaften Gaswolke, die aus dem Nichts kommend für die Evakuierung der Gegend sorgte.

Kein Witz! Eine Woche später kennt noch immer niemand die Ursache. Hunderte Leute klagten über gereizte Augen und Atemwege. Vermutungen reichen von beschädigten Gas Tanks auf Schiffen über natürliche Gasreserven des Meeresgrundes bis zu französischen Industrieanlagen. Niemand weiß was. Die Untersuchungen sind eingestellt und die Luft wieder rein. At least for now!

 Die Auflösung 


In Zeiten der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne kann man schon mal fragen: Erinnert Ihr euch noch an das Quiz vom letzten Eintrag?
Was hat es mit der mysteriösen Glocke am Straßenrand auf sich? Ich stellte meine Frage in der Facebook-Gruppe “Brighton People” und erhielt gute 65 Antworten. Fünfundsechzig!!! Plus diverse Antworten und Konversationen. Das Interesse daran erstaunte mich schwer.

Dabei waren viele schwachsinnige Spaßantworten, aber auch diverse richtige. Ihr brennt sicher schon darauf, die Lösung zu erfahren.
Ein Klick aufs Video macht Euch schlauer.

 Quizfrage zum unbedingt Mitmachen 

Heute ein Quiz für alle Blitzbirnen da draußen.
Worum handelt es sich hierbei? Die Dinger sieht man in Brighton in unterschiedlichsten Farben und Unfarben an vielen Kreuzungen stehen.

Hast Du die beste Antwort parat? Dann mache mit und gewinne die Erkenntnis, dass Gewinne unbedeutend sind weil der größte Schatz all die Zeit in Dir selbst war.

 Alt und halb fertig. 

Hoi Volk!

Die folgenden Zeilen sind schon gut zwei Wochen alt. Ich hatte keine Lust mehr, sie zu vervollständigen. Darum poste ich es unvollendet zur bloßen Archivierung. Viel “Spaß” dabei:

“Hossa! Die letzten paar Tage waren gelinde gesagt etwas durchwachsen.
Gefüllt mit Enttäuschung, Begeisterung, Irritation, Ekel und kleinen Freuden. So ist wohl, was man Leben nennt.

Beginnen wir mit Ekel: Gestern morgen sah ich eine Hundescheiße. Natürlich gibt es keinerlei Bestätigung von öffentlicher Seite, dass und ob es sich tatsächlich um Hundekot handelte. Selbst das Königshaus hielt sich diesbezüglich bedeckt.
Ich gehe der Wahrscheinlichkeit halber einfach mal davon aus. Ich sah eine Hundescheiße, mitten auf dem Gehweg. Das ist ekelig, aber kaum erwähnenswert. So richtig zum Reißer wird der Haufen erst durch seine Besatzung. Ihr lest richtig. Der Kot war bemannt. Oder befraut. Je nach dem, wie Ihr es sehen wollt.
Wisst Ihr. die meisten Schnecken sind Hermaphroditen! Die Scheiße-Reiter-Nacktschnecken vermutlich ebenso. Lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen! (Wortwahl nicht zufällig!) Vier Nacktschnecken reiten eine Scheiße.
Ich sag mal so: Exkremente an sich sind schon oll. Aber sowas…bricht den härtesten Geit. Hektisch ergriff ich die Flucht, ohne von der Nähe der folgenden Irritation zu wissen.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit ist mittlerweile kein Problem mehr. An den ersten zwei Tagen stieg ich vor der ersten größeren Ampelkreuzung noch ab. Zu kompliziert schien das Ding im Land der Geisterfahrer. Zwei Wochen später ertappe ich mich dabei, meine Bestzeiten zwischen Büro und Wohnung unterbieten zu wollen. Natürlich wird stets ordnungsgemäß gefahren.
Natürlich! Rote Ampeln sind hier eher als netter Vorschlag gemeint. Selbst Fußgängermuttis zerren ihre Kinder zwischen den Lücken im Autokorso über die temporäre Verbotszone. Drauf Geschissen! Es sei denn, man steht mitten zwischen den Autos. So wie ich, mit meinem Rad. Man bremst, hält an und wartet. Die Jacke wird zurechtgezuppelt. Man schaut sich um. Und da isse! Die zweite Irritation des Tages.
Ein Leichenwagen mit großen, frisch geputzten Fensterscheiben. Drinnen ein Meer aus Blumen und eine zur Schau gestellte Holzkiste, vermutlich mit abgelaufenem Inhalt. Ich gehe davon aus, daß man sich auf dem Weg zur Beerdigung befand. 40cm entfernt von der Leiche! Und alles, was uns voneinander trennte, war der Sarg. Die Vorstellung jagte mir Gänsehaut den Rücken hinunter. Tut sie noch! Klar passiert einem das auch in Deutschland. Aber Leichenwagen sind dort doch eher geschlossener, oder? Oder?

Am Nachmittag fuhr ich lieber Bus. Nächste Irritation! Im Doppeldecker oben würde Spaß machen, dachte ich. Tat es sogar…irgendwie. Direkt vor mir saß ein Junge. Nicht älter als sieben oder acht Jahre. Er spielte Schießen mit seinen Zeigefingern. Erstaunlich, beeindruckend und derbe verstörend war dabei, wie gut er sich mit Waffengeräuschen und Typen auskannte. Ich meine, ich spiele Ego Shooter. Natürlich erkennt man da schnell, dass eine Schrotflinte andere Geräusche macht, als ein Sturmgewehr.
Der Bengel hatte den totalen Durchblick. Eine Salve aus seiner Maschinenpistole: “Brrrrrrrrt! Brrrrrrrrrt!” Nachladen:”Chick, chick.” Nächste Salve. Waffenwechsel. Diesmal normale Pistole. Schuss, Laden, Schuss, Laden. Mit den Fingern ahmte er den Rückstoß nach. Wieder beängstigend erfahren. Das ging so weiter mit diversen imaginären Knarren. Locker 10 Minuten schoss er aus seinem Frontsitz mit Fingern um sich. Stets auf Passanten auf den Bürgersteigen. Mich erschreckte das aufrichtig. Bin ja nicht kleinlich, aber ey! Sieben! Vielleicht ein winziges Bisschen älter. In seinem Alter sollte man kaum mehr als ein Pistolen-“Peng” kennen. Und was war mit der Mutter?! Die schaute zur anderen Seite raus. Egal, wenn der Sohnemann andere Menschen abknallt.
Ich maße mir nicht an, ihre Erziehung zu beurteilen. Am Ende isses nur ein Kinderspiel!. Aber irritiert war ich. Und etwas geschockt davon, wie sehr mich das störte.

Tjoar…zum Wochenende:
Ich war sehr traurig, als mein Schwester mich an diesem Wochenende nicht besuchen konnte. Morgens um 4 Uhr klingelte mein Telefon. Maxi wurde der Zutritt zum Flugzeug verwehrt, weil ihr vor zwei Jahren verschwundener, doch längst wieder aufgetauchter Ausweis bei der Polizei noch immer als gestohlen gemeldet galt. Ich habe meine Schwester schon einen Monat nicht mehr gesehen. Eine lange Zeit für uns. Entsprechend freute ich mich drauf, Ihr Brighton zu zeigen.

Ich vermisse es echt, Leute um mich zu haben, mit denen Entdeckungen geteilt werden können. Naja. So ging ich recht frustriert ins Wochenende. Ein riesiger Pott Eis half kaum. Das Konzert am Abend schon eher. Ich ging auf ‘ne CBGB Party mit Live-Kapelle.
Sleazy Garage Glam Rock. Wenig eigenes Material, dafür reichlich Cover von den Ramones, Blondie, Talking Heads und mehr. Hatte Spaß an der Performance. Sehr gute Bühnenshow. Den Disco-Part nach dem Konzert sparte ich mir. 22 Stunden auf den Füßen machten sich bemerkbar.”